Stellungnahme

Holzkirchen, den 28.04.16



Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße von Holzkirchen e.V.



BMVI


Referat G12


Invalidenstr. 44


10115 Berlin




Stellungnahme BVWP 2030

Projektname: B 13 AS Holzkirchen (A8) – Bad Tölz

Projektnummer: B013-G090-BY



Sehr geehrte Damen und Herren,


die „Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße von Holzkirchen e.V.“ kämpft seit 1978 gegen diverse Planungen von Umgehungsstraßen rund um Holzkirchen.

Auch die jetzt geplante Anbindung von Bad Tölz an die A8 lehnen wir ab.

Diese Schnellstraße ist nicht als Entlastung für Holzkirchen gedacht, sondern

für Autofahrer, die von Tölz und Umgebung Richtung München kommen wollen.

Statt unsere Verkehrssituation zu verbessern, würde sie noch verbliebene Naherholungsgebiete zerstören und wäre kontraproduktiv, was Klimaziele und Flächenverbrauch anbelangt.


Das Projekt erscheint grundsätzlich fragwürdig, weil ein „Erreichbarkeitsdefizit von Tölz zur A8“, mit dem es begründet wird, einfach nicht gegeben ist!


Umgehungs-Straßen


Neue Ortsumfahrungen bringen zunächst einmal eindeutig mehr Verkehrsbelästigung.

Es entstehen Lärm und Abgase, wo Menschen bisher Ruhe und frische Luft fanden.

Entscheidend ist die Entlastungswirkung, die man sich davon andernorts erhofft.

Nur wenn diese groß genug ist, ergibt sich ein diskutables Nutzen-Kosten-Verhältnis.

Auf Holzkirchen trifft das nicht zu. Alle jemals erhobenen Zahlen sprechen dafür, dass die zu erwartende Entlastung kaum spürbar wäre.

Die geplanten Straßen „umgehen“ das Problem, indem sie als Allheilmittel eine Besserung „versprechen“, die faktisch nicht nachweisbar ist.


Ortsumfahrungen Holzkirchen, Großhartpenning und Kurzenberg


Das schlechte Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) der geplanten Südumfahrung rechtfertigt keine Einstufung im „vordringlichen Bedarf“. Manche aufgeführten Zahlen, die zu dieser Einstufung geführt haben, sind nicht nachvollziehbar.

Eine Reduzierung der PKWs in der Tölzer Straße auf nur noch 2000 ist völlig unrealistisch und durch keine der jemals erhobenen Zahlen zu begründen. Auch die Einschätzung, dass durch die geplanten Straßen 0 (Null!) Menschen zusätzlich durch Lärm belastet würden, ist geradezu abenteuerlich (oder ein Tippfehler).

In Wahrheit wären ganze Existenzen bedroht. Besonders das „Pferde-Dorf“ Thann mit seinen weit über Deutschland hinaus bekannten Pferdesport-Veranstaltungen lebt geradezu von einer intakten Natur.


Nicht berücksichtigt wurden wohl auch all diejenigen, die sich nach der Zerstörung ihres Naherholungsgebiets gezwungen sehen, erst in`s Auto zu steigen, um beim nächsten schönen Flecken Erde dann endlich ihre Runden drehen zu können

(Joggen, Spazieren- und Gassi-Gehen …).


Die Westumfahrung von Großhartpenning zerstört das einzigartige Tal zwischen Groß- und Kleinhartpenning und zudem den schönen Asberg (Moränenhügel).

Viele würden vermutlich weiter die wesentlich kürzere und flachere Strecke mitten durch Großhartpenning fahren.


Auch die Umfahrung von Kurzenberg nimmt die Menschen dort in die Zange und belästigt sie dann von zwei Seiten – auf einer dann sogar mit einer noch höheren Geschwindigkeit.


Unverständlich ist auch, dass die Umfahrungen von Holzkirchen und Waakirchen beide im vordringlichen Bedarf sind. Aus unserer Sicht sollen beide die Anbindung von Tölz an die A8 verbessern. Dann sollte doch aber – wenn überhaupt – zuerst diejenige Umfahrung mit dem höheren Nutzen-Kosten-Verhältnis (auf der Gesamtstrecke) verwirklicht werden. Diese hätte dann möglicherweise positive Auswirkungen auf den anderen Ort.


Alternativen


Leider setzt der Bundesverkehrsminister viel zu sehr auf Autos und immer neue Straßen. Ein prinzipielles Umdenken zugunsten anderer Verkehrsmittel ist nicht zu erkennen und vermutlich auch nicht wirklich gewollt.

Eine sinnvolle Zukunft läge dagegen im Ausbau des ÖPNV, einer konsequenten Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, der Förderung von Elektromobilität, Car-Sharing etc. Die Lösung unserer Verkehrsprobleme liegt nicht in einer weiteren Schnellstraße, mit der die Tölzer noch bequemer zur A8 kommen.

Helfen würde uns vor allem eine bessere Zugverbindung von Tölz nach München.

Höherer Takt, kürzere Reisezeit und attraktivere Preise (z. B. durch eine MVV-Erweiterung) könnten viele Tölzer (und Lenggrieser …) dazu bringen, vor Ort

in den Zug zu steigen und nicht erst in Holzkirchen.


Etwa 80% unseres Verkehrs ist „hausgemacht“ (Ziel-, Quell- und Binnen-Verkehr).

Da Umgehungsstraßen in so einem Fall nicht weiterhelfen, hat Holzkirchen damit begonnen, selbst etwas zu unternehmen. Zusammen mit dem Gemeinderat setzen wir auf das „integrierte Mobilitätskonzept“ und warten gespannt auf die Vorschläge der beauftragten Experten. Deren bereits angedeuteten Lösungsansätze wären zeitnah umsetzbar und könnten vielerorts eine wirkliche Besserung bringen.


Jeder Fortschritt ohne neue Straße würde auch der Befriedung der Holzkirchner dienen, die seit Jahrzehnten für oder gegen diverse Umgehungsstraßen streiten.


Zusammenfassung


Die „Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße von Holzkirchen e.V.“ setzt sich für eine Entlastung der Holzkirchner (in allen Ortsteilen) ein.

Die geplanten Ortsumgehungen aber bringen die Tölzer bequemer zur Autobahn – jedoch keine spürbare Entlastung für Holzkirchen. Im Gegenteil!

In der Summe würde der Verkehr zunehmen und damit auch die Verkehrsbelästigung durch Lärm und Gestank. Ein Projekt mit einem derart schlechten „Preis-Leistungs-Verhältnis“ kann man uns nicht verkaufen. Die Bürgervereinigung setzt dagegen auf das „integrierte Mobilitätskonzept“, überörtliche Ansätze (möglichst jenseits neuer Straßen) und ein grundsätzliches Umdenken in der Verkehrs-Politik.

Statt uns Umgehungsstraßen zu „schenken“, die wir gar nicht haben wollen, sollten die verantwortlichen Politiker uns dabei unterstützen, unsere Heimat zu bewahren -

auch für unsere Kinder und die kommenden Generationen.



Mit freundlichen Grüßen

Peter Limmer, Vorsitzender

der „Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße von Holzkirchen e.V.“